Masirisches Neujahrsfest 2958

Ein bunter Abend für die ganze Familie.

Das Yennayer-Fest dokumentiert den Beginn des Jahres der Masiren (13.01.2008 = 01.01.2958).
Prof. Dr. Mohand Tilmatine (Universidad de Cádiz), der durch zahlreiche linguistische und anthropologische Forschungen und Publikationen zum Masirischen international ausgewiesen ist, wird den gemütlichen Nachmittag mit einem Vortrag – Schriftsysteme und Ideologie: Das Masirische (Berberische) in Nordafrika - in deutscher Sprache eröffnen.
Nach einer anschließenden Diskussion wird das Trio um die aus dem Rif/Nordmarokko stammende junge Musikerin & Songwriterin Fatoum eine Kostprobe aus seinem vielseitigen Repertoire präsentieren.

Für Masiren, Kulturinteressierte und natürlich auch Leute, die in knapp 2 Wochen zweimal Neujahr feiern möchten, ist dieser Abend genau das richtige.

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Zum Vortrag: Schriftsysteme und Ideologie - Das Masirische (Berberische) in Nordafrika
Die Anerkennung der eigenen Sprache und Kultur der Masiren (Berber) bildet seit ihrer Entstehung bzw. Strukturierung in den achtziger Jahren die zentrale Forderung der Kulturbewegung. Bereits in den ersten kabylischen Gründungsdokumenten wurde klar zum Ziel gesetzt, dass dies nicht ohne den Übergang von der allgemein in den berberophonen Ländern herrschenden Mündlichkeit zur Schriftlichkeit erfolgen kann. Dies stellte aber die berberophone Gemeinschaft vor der Wahlfrage eines graphischen Systems für die Verschriftung der eigenen Sprache und Kultur. Dazu standen drei Schriftenträger zur Verfügung: das arabische, das lateinische und ein eigenes System, die Tifinagh-Alphabete, die auf eine von über 2500 Jahre alte Geschichte zurückblicken können.

Erwartungsgemäß, wird jedes dieser drei Systeme mit bestimmten ideologischen Ausrichtungen in Verbindung gesetzt.

Ganz besonders hart ist die Opposition zwischen, einerseits, dem arabischen System, das als „Verbindungselement“ Nordafrikas mit der weitgehend sakralisierten arabischen Sprache und des islamischen Erbes betrachtet, und, andererseits, dem lateinischen System , das mit dem französischen Kolonialismus direkt in Relation gebracht wird.

Das Tifinagh-Alphabet, das die militanten Masiren als eine den Berbern „eigene Erfindung“ betrachten, genießt, auch bei den Anhängern des lateinischen Systems ein sehr hohes Ansehen als starker symbolträchtiger Aufwertungsfaktor der eigenen Sprache und Kultur.

Über die technischen Fragen hinaus, die eine sachliche Diskussion zwischen den Anhängern der drei Systeme, über die notwendige Auswahl des Schriftsystems als Träger der angestrebten Modernisierung, begründen könnten, wurde diese Problematik, vor allem durch das Eingreifen von Regierung und regierungsnahen Kreisen in die Debatte, sehr rasch zum Gegenstand und Schlachtfeld einer offenen ideologischen Konfrontation zwischen verschiedenen Gesellschaftsprojekten.